8. Oktober 2009...20:25

Sommerende und Regen

Zu den Kommentaren

Zuerst hatte ich, aufgrund des angekündigten Regens, gar nicht hinfahren wollen. Aber es zog mich dann doch hinaus, und es hätte ja sein können, daß es doch nicht geregnet hätte, und dann hätte ich nutzlos im Zimmer gesessen.

Das Üben begann sehr gut; alle Schläge kamen zielsicher, und beim Putten gelangen mir nach langer Zeit wieder mal zwei 25-Meter-Putts. Die Runde ging ich zweimal zusammen mit einem Mann (Resultat: 25 — zweitbestes Ergebnis — und 31, darunter 3x par). Beim letzten Loch prasselte dann doch der Regen herunter. Heute scheint wirklich und unwiderruflich Sommerende zu sein.

Der Mitspieler war ein routinierter Clubspieler, den ich zuerst überlegen einschätzte. Ich spielte jedoch auf der ersten Runde fast jedes Loch mit einem Schlag weniger (mir gelang dabei aber auch praktisch alles, was ich nur wollte). Bei der zweiten Runde waren wir ausgeglichen. Ich fragte ihn, weshalb er nicht zählte. Er gab keine richtige Antwort. Irgendwie tat er so, als seien ihm sein eigenes Spiel und die Ergebnisse gleichgültig. Aber nachdem ich über den letzten erwähnten Fall nachgedacht hatte, vermute ich auch hier eine versteckte Eitelkeit; man könnte es auch „männlichen Stolz“ nennen. Durch das Nicht-offen-Zählen drückt man sich vor dem offenen Vergleich und versucht damit der Möglichkeit auszuweichen, zur Zweitbester zu sein. Ich bin inzwischen bei der klaren Auffassung angelangt, daß daran etwas faul ist. Was mich etwas wundert, ist, wie weitverbreitet diese Drückebergerei offenbar zu sein scheint.

Und es wird tatsächlich der eigentliche Anreiz aus dem Spiel genommen. Man spielt doch auch kein Schach, bei dem geschlagene Figuren wieder aufs Feld gebracht werden — das wäre nun mal kein richtiges Schach mehr, und damit wäre das Spiel im Grunde verraten und zerstört. Wenn Leute sich ihren eigentlichen Spielergebnissen nicht stellen wollen, verkennen sie auch, daß es gar nicht darum geht, jemand durch Konkurrenz in Nachteil zu bringen und irgendwelche scheinbaren persönlichen Vorteile einzuheimsen.  Mich selbst stört es nicht im geringsten, wenn ein anderer besser spielt als ich — ganz im Gegenteil: es spornt mich an.

Wie an so vielen anderen Stellen des Alltagslebens geht es hier doch in Wahrheit immer um dasselbe: um den Schutz des Egos und um ein kompliziertes, darum herumgebautes Getue. Alle diese Leute können einem nur leid tun. Sie schaden sich bloß selbst. Von wegen „Spaß am Spiel“! Wenn jemand Spaß am Spiel haben will, warum muß er Ergebnisse vertuschen und verschweigen, warum muß er Konkurrenz meiden, warum muß er diese ganzen Manöver vollziehen und rechtfertigen? Lächerlich! Dann soll er doch das Spiel lassen, wie es ursprünglich gedacht ist, und es einfach so spielen! Was soll daran schlecht sein?

2 Kommentare

  • Ich habe´jetzt eine Weile nachgedacht ob ich was schreibe oder nicht. Das letzte mal als ich Verständnis für „Spaßgolfer“ geäußert habe, habe ich ein paar virtuelle Backpfeifen bekommen.

    Mir persönlich ist es vollkommen egal ob jemand zählt oder nicht. Bin ich doch auch mit einem dieser „Spaßgolfer“ verheiratet. Solange der Mitspieler seinen Spaß am Spiel hat, warum den nicht?

    Warum müssen wir deutschen immer alles zählen und vergleichen? Sind wir nicht mal in der Lage irgend was zu tun ohne erkennbaren Sinn und Zweck, nur weil es Spaß macht?

  • Wir reden völlig aneinander vorbei. Ein Mensch, der wirklich fähig ist, Spaß zu haben (ich nenne das lieber Freude, tiefe Zufriedenheit), braucht weder den Vergleich durch Zählen noch jegliches andere Hinschauen aufs Spiel, Beachten des Spiels und Spielen nach dem Geist des Spiels zu scheuen.

    Ob einer diesen Charakter hat, zeigt sich ja gerade daran. Dann hat er auch kein Problem. Die verkrampften Konkurrierer zeigen genauso, wo ihr Problem liegt, wie die ebenfalls verkrampften Typen, die unbedingt auf „locker“, „frei“ und „das ist alles nicht so wichtig“ tun müssen. Die laufen erst recht vor ihrer Beschränktheit weg, die betrügen sich fast noch mehr als die anderen.

    Aber ich muß leider feststellen, daß es im Internet und auch sonst im normalen Alltag kaum üblich ist, ein ernsthaftes Gespräch über so etwas zu führen. Es artet nur in die üblichen Rechthabereien aus. Was einer wirklich meint (so wie ich es mehrfach beschrieben habe), geht dann unter. Mit solchen platten Klischees von „die Deutschen“, „sehr deutsch“ usw. wird ja genau dieses An-sich-Heranlassen eines ganz anderen Grundgedankens ausgeblendet. Über den müßte man erst in Ruhe nachdenken und auch vor Selbsterkenntnis nicht zurückscheuen.

    Deshalb sind mir derartige Diskussionen ausgesprochen zuwider. Meistens bleibt dann nur, die Kommentarfunktion ganz abzuschalten.


Eine Antwort schreiben