Thema: Verletzungen und Rückenschmerzen beim Golf

An der Seitenstatistik konnte ich ersehen, daß dieses Thema häufig im Web gesucht wird und daß dann etliche auf meine Seiten gelangen. Ich vermute dahinter ein starkes Bedürfnis nach Problemlösung. Im Golf wird selten über durch Golf verursachte Gesundheitsprobleme gesprochen. Wer sie hat, verschwindet einfach still und leise vom Platz und macht die Angelegenheit ganz allein mit sich selbst aus bzw. mit seinem Arzt und/oder Physiotherapeuten. Die ganze Geschichte kenne ich auch, weil ich jahrelang Rückenschmerzen gehabt habe. Kaum versuchte ich wieder zu spielen, verschlimmerten sie sich augenblicklich und zwangen mich zum Aufhören. Die Auflösung des ganzen Rätsels, die ich dann — rein aus Zufall — entdeckte, habe ich so noch nirgendwo beschrieben gefunden.

Dabei liegt es doch eigentlich auf der Hand: Das Golfspiel selbst ist es nicht, was die Beschwerden verursacht. So wird es aber von Medizinern häufig dargestellt. Diese machen dann die Sportarten selbst, bei denen Schmerzen auftreten, verantwortlich: Man soll dann eben nicht mehr Joggen (das schädige durch die Belastung die Fuß- und Kniegelenke und belaste auch noch das Rückgrat und v.a. die Nackenwirbel), oder nicht mehr Golfspielen usw. Ich nenne das die Belastungs- und Abnutzungstheorie: Wo der Körper belastet wird, nutzt er sich ab. Und wo er zu stark / zu oft belastet wird, wird er krank. Das ist herkömmliche Physik, und da der Mensch für heutige Schulmediziner nichts anderes ist als eine biologische Maschine, wenden sie darauf ihre kausalistische Rationalität an. Was für das Auto gilt, gilt auch für Lebewesen: Materialermüdung, Mechanik, Verschleiß. Gegen diesen heutigen Wahn, der perfekt die Falschheit des modernen technisch-wissenschaftlichen Weltbilds illustriert, ziehe ich gerne das Beispiel vom Gewichtheben heran: Es sind gerade die professionellen Gewichtheber, die am wenigsten unter Rücken- und Bandscheibenproblemen leiden. Weshalb? Weil der Körper mit der Belastung — sofern sie nur der natürlichen Logik entspricht — wächst und sich ständig anpaßt. Gerade die weichen Teile zwischen den Knochen werden durch die Belastung durchblutet bzw. saugen sich mit Nährflüssigkeit voll; dies gilt ebenso für weiteres Gewebe wie Muskeln, Bänder, Sehnen, Kapseln und natürlich auch Haut. Für die Schulmediziner dagegen ist es völlig logisch, daß ältere Menschen so oft krank sind: Da sind dann angeblich irgendwann alle Körperteile durch langjährigen Gebrauch verschlissen.

Ich habe schon beschrieben, daß es ein Fehler ist, bei aufkommenden Schmerzen den Sport verantwortlich zu machen und damit auszusetzen. Der Schmerz geht dann oft monatelang nicht mehr fort; manchmal verstärkt er sich sogar noch.

Die Lösung geschah in meinem Fall durch die Begegnung mit einem guten Trainer, der die von mehreren anderen Trainern einhellig vertretenen Schwung-, Schlag- und Haltungsprinzipien radikal aushebelte. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mir riet, mich um mindestens eine Handbreit weiter vom Ball wegzustellen: Mir brach der Schweiß (man könnte glatt sagen: der Angstschweiß) aus und ich hielt den Mann für verrückt, denn aus der Entfernung könne ja niemand mehr den Ball treffen, geschweige denn weit schlagen. Innerhalb weniger Minuten spielte sich dann eine regelrechte innere Kettenreaktion ab. Ich verstand plötzlich den Unterschied, verstand auch zum ersten Mal das Schwung- und Schlagprinzip, verstand den Grund meiner Schmerzen, den Grund meiner Verspannungen, es liefen Schauer durch meinen Körper, die blockierte Energie begann sich zu lösen, und seltsamerweise wandelte sich genau jene Störung, die ich jahrelang als Schmerz und Hitze gespürt hatte, in Kraft und heilende Energie um. So etwas geschieht aber nur bei der Sportart selbst — nämlich beim tieferen Erkennen ihres natürlichen inneren Zusammenhangs. Die Lösung ist das richtige Golf, und gleichzeitig das eigene Entdecken eines neuen Verständnisses, was richtiges Golf ist. Das ist dann bewegungsrichtiges, körperrichtiges Golf, und es hatte in meinem Fall überhaupt nichts mit den ganzen Hinweisen und Ratschlägen und Merkregeln der früheren Trainer zu tun.

Aus alledem folgt: Es geht in erster Linie darum, den richtigen Pro zu finden. Was natürlich nicht einfach ist — und oft sogar fast unmöglich. Nach Jahren von genauerer Beobachtung verschiedenster Pros und ihrer Lehrmethoden bin ich zu dem Schluß gekommen, daß man solch einen Mann bestenfalls unter 20, 30 oder 50 Lehrern findet. Die meisten sind leider bloß armselige Stümper und/oder Schwätzer. Sie haben sich einfach irgendwelche Kniffe und Maximen zu eigen gemacht, und die wenden sie dann schablonenartig auf jeden Schüler an. Natürlich immer begleitet durch gehörige Selbstsicherheit und Abwesenheit jeglicher Selbstzweifel. Die könnten ja das eigene Charisma beschädigen und potentielle Schüler abschrecken. Also Fassaden-Marketing par excellence!

Da ich außer diesem einen Mann, den ich vor Jahren zufällig auf einem Platz in den Dolomiten traf, keinen glaubwürdigen Lehrer (man sollte besser sagen: Meister) mehr gefunden habe, muß ich es alleine probieren. Denn es ist mir unmöglich, einen derjenigen Stümper als Ratgeber zu akzeptieren, die ich tagein tagaus auf Platzen herumbasteln und Leute traktieren sehe. Noch einmal: Es geht primär nicht um den Pro, sondern es geht ums eigene Verstehen des Spiels und um das praktische, aber eben auch theoretische Verinnerlichen dieses Verstehens. Was man da gewonnen hat, das kann einem keiner mehr nehmen.

Der Schwung, der Schlag, die Haltung — das muß einfach stimmen und in sich harmonisch zusammenpassen. Sobald das der Fall ist, spürt man es nicht nur am eigenen Leib, sondern vor allem am Energiefluß . Stimmt dieser Energiefluß und ist er frei, unblockiert, leicht, gelöst, unverkrampft, dann spürt man es sofort, und dann kann es keine Schmerzen mehr geben, und selbst wenn man bislang noch Schmerzen hatte, beginnen sie sich im selben Moment aufzulösen. Das mag banal oder zu abstrakt und pauschal klingen, aber es ist genau so. Man könnte im Extrem sogar behaupten: Wenn man selbst dazu kommt, diese Art von Bewegung zu entdecken, hat sich jeder Ratschlag von außen erübrigt. Die Wahrheit des Golf ist, wie Stephen Pressfield in seinem Buch so schön beschrieb, im Spieler selbst und wartet darauf, freigesetzt zu werden.

Vermutlich überflüssig, hier anzumerken, daß Deutsche damit natürlich am wenigsten anfangen können, weil sie alles mit Plan, Gewalt, Selbstzwang und Problemhaftigkeit angehen und zu diesem energetischen Sich-Loslassen, das ich meine, von vornherein weder bereit noch imstande sind. Daß man mit weniger Kraftaufwand, mehr Leichtigkeit und Lockerheit mehr erreichen kann als durch das ganze Sich-Abmühen und Anstrengen — und das gilt gerade fürs Golfspiel! —, widerspricht ihrer ganzen Lebenseinstellung und wird deshalb von vornherein ausgeschlossen. So werden dann eben die Ärzte aufgesucht und so exerzieren die üblichen Pros ihre üblichen Auffassungen, und sie alle verdienen auch noch recht gut daran. Und den Kunden kommt es auch noch entgegen, denn dann müssen sie sich nicht der Herausforderung und Mühe stellen, dem Spiel und sich selbst tiefer auf den Grund zu gehen.

Kleiner Nachtrag am 6.8.2011 zum Thema “Abnutzung von Gelenken beim Sport”: Wer diesem Link folgt, dem sollte es wie Schuppen von den Augen fallen:

  • Astrid Benöhr — Ultra-Triathletin
  • Highlights:
    • “Absoluter” Weltrekord über die 10-fache IRONMAN-Distanz:
      187 h 18 min 37 sec (die bisherige Bestzeit des Franzosen Fabrice Lucas lag bei 192 h 08 min 26 sec).

      10-facher IRONMAN = 38 km Schwimmen, 1800 km Radfahren und 422 km Laufen
    • “Absoluter” Weltrekord über die 5-fache IRONMAN-Distanz:
      74 h 01 min 02 sec (2 h 15 min besser als der WR der Männer!)
    • Weltbestzeit über die 5-fache IRONMAN-Distanz:
      74 h 01 min
      (gut 2 h besser als die Männerrekordzeit)
    • der Mensch, der die meisten 3-fach IRONMAN-Distanzen beendet hat
    • hält die Weltrekorde über die 2-fach, 3-fach, 4-fach und 5-fach
      IRONMAN-Distanzen

4 Kommentare

Eingeordnet unter Körper und Geist, Theorie

4 Antworten zu Thema: Verletzungen und Rückenschmerzen beim Golf

  1. Sehr interessant. Komisch, dass noch niemand kommentiert hat.
    Da sieht man, was ein guter Trainer alles leisten kann, muss und sollte. Den einen zu finden, der es kann, ist die Schwierigkeit.

  2. Jochen

    Ich, just den Kurs zur Platzreife angetreten, habe nach jeder Abschlagübung tagelange Rückenschmerzen.
    Heute habe ich eine andere Haltung angenommen, die nicht den Golf-Trainingsvorgaben entspricht. Damit ging es meinem “Scheuermann” gut. Ich werde es mit meinem Trainer besprechen und versuchen, eine “eigene” Haltung zu finden. Ansonsten: Golf ist der schönste Sport, den ich bislang probiert habe. Und das liegt besonders auch am Umfeld liebenswerter Gemeinschaft.
    Jochen

  3. Hallo Jochen,
    das ist sehr interessant. Zum einen ist es sicher wert, alles zu tun, damit einem Golf nicht vergällt wird – ich finde auch, daß Golf der König der Sportarten ist (man schaue sich mal den Film “Bagger Vance” an, der bringt es schön heraus). Zum anderen muß, da bin ich mir inzwischen sicher, etwas völlig schiefgelaufen sein, damit es so kommt wie bei Dir. Auch wenn es jetzt sehr schlimm für Deinen Pro klingt: Meinem Gefühl nach ist genau dieser ursächlich schuld (bitte nicht sagen; der bringt mich sonst um!). Es darf einfach nicht vorkommen, daß durch Golf solche Schmerzen entstehen. Es hat auch nichts mit Stärkung von Muskeln zu tun. Der Schwung muß völlig (!) frei und unverkrampft ablaufen, federleicht und total locker. Man sollte lieber erst einen halben oder Viertelschwung machen, um überhaupt dieses Gefühl freien Schwingens (Pendelns des Schlägerkopfes) zu verinnerlichen. Ich hatte z.B. früher Tennis gespielt, da ist es komplett verschieden: man drückt mit dem Arm den Schläger, der Schläger drückt den Ball – alles mit Kraft. Golf ist quasi das Gegenteil: am Griff sollte überhaupt keine Kraftanstrengung in Richtung Ziel herrschen. Der Schläger fällt einfach kreisförmig nach unten, und es ist allein (!) der schwere Schlägerkopf, der den Ball weiterbefördert. Dieses Gefühl muß man als erstes erlangen. Das ist die Essenz des Schwunges, und das wird einem ein guter Pro als erstes beibringen. Wohin der Ball fliegt oder wie weit, das muß alles sekundär sein. Wer dieses freie, leichte, ja befreiende Gefühl verliert, sollte eigentlich gar nicht mehr einen Schläger in die Hand nehmen.

    Das ist, was mir so aus der Ferne dazu einfällt.

    Gegen falsche Pros (und wenn sie noch so renommiert sind) kommt man aber niemals an. Denn deren Selbstverständnis (und materielle Existenz) steht ja sofort auf dem Spiel, deshalb haben wir es hier quasi mit einer religiösen Glaubensproblematik zu tun. Es gibt genug Clubs und Plätze, wo leider nur genau solche Pros herumwirtschaften.

    Den ersten Pro, der mir wirklich geholfen hat, habe ich zufällig bei einem Dolomitenurlaub getroffen. (S.o.). Ein richtiger Schwung verursacht nicht nur keine Schmerzen, er heilt sogar etwa vorhandene Schmerzen. Und das Gerede (das man auch manchmal hört), Golf wäre eine Belastung für den Rücken, wäre “widernatürlich” usw., ist auch ganz falsch.

  4. I bin Golf lehrer und Head instructor der European Association Golf Physiotherapy. Mein Kollege hat mich auf Ihren Bericht aufmerksam gemacht. Schauen Sie sich doch bitte diesen Video an, http://www.youtube.com/watch?v=7eCxg8PkOrU . wenn das nicht das ist, was Ihrem Rücken hilft,
    dann geben Sie uns Information, wo wir unseren Schwung verbessern können.

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