29. September 2008...21:44

Thema: Verletzungen und Rückenschmerzen beim Golf

Zu den Kommentaren

An der Seitenstatistik konnte ich ersehen, daß dieses Thema häufig im Web gesucht wird und daß dann etliche auf meine Seiten gelangen. Ich vermute dahinter ein starkes Bedürfnis nach Problemlösung. Im Golf wird selten über durch Golf verursachte Gesundheitsprobleme gesprochen. Wer sie hat, verschwindet einfach still und leise vom Platz und macht die Angelegenheit ganz allein mit sich selbst aus bzw. mit seinem Arzt und/oder Physiotherapeuten. Die ganze Geschichte kenne ich auch, weil ich jahrelang Rückenschmerzen gehabt habe. Kaum versuchte ich wieder zu spielen, verschlimmerten sie sich augenblicklich und zwangen mich zum Aufhören. Die Auflösung des ganzen Rätsels, die ich dann — rein aus Zufall — entdeckte, habe ich so noch nirgendwo beschrieben gefunden.

Dabei liegt es doch eigentlich auf der Hand: Das Golfspiel selbst ist es nicht, was die Beschwerden verursacht. So wird es aber von Medizinern häufig dargestellt. Diese machen dann die Sportarten selbst, bei denen Schmerzen auftreten, verantwortlich: Man soll dann eben nicht mehr Joggen (das schädige durch die Belastung die Fuß- und Kniegelenke und belaste auch noch das Rückgrat und v.a. die Nackenwirbel), oder nicht mehr Golfspielen usw. Ich nenne das die Belastungs- und Abnutzungstheorie: Wo der Körper belastet wird, nutzt er sich ab. Und wo er zu stark / zu oft belastet wird, wird er krank. Das ist herkömmliche Physik, und da der Mensch für heutige Schulmediziner nichts anderes ist als eine biologische Maschine, wenden sie darauf ihre kausalistische Rationalität an. Was für das Auto gilt, gilt auch für Lebewesen: Materialermüdung, Mechanik, Verschleiß. Gegen diesen heutigen Wahn, der perfekt die Falschheit des modernen technisch-wissenschaftlichen Weltbilds illustriert, ziehe ich gerne das Beispiel vom Gewichtheben heran: Es sind gerade die professionellen Gewichtheber, die am wenigsten unter Rücken- und Bandscheibenproblemen leiden. Weshalb? Weil der Körper mit der Belastung — sofern sie nur der natürlichen Logik entspricht — wächst und sich ständig anpaßt. Gerade die weichen Teile zwischen den Knochen werden durch die Belastung durchblutet bzw. saugen sich mit Nährflüssigkeit voll; dies gilt ebenso für weiteres Gewebe wie Muskeln, Bänder, Sehnen, Kapseln und natürlich auch Haut. Für die Schulmediziner dagegen ist es völlig logisch, daß ältere Menschen so oft krank sind: Da sind dann angeblich irgendwann alle Körperteile durch langjährigen Gebrauch verschlissen.

Ich habe schon beschrieben, daß es ein Fehler ist, bei aufkommenden Schmerzen den Sport verantwortlich zu machen und damit auszusetzen. Der Schmerz geht dann oft monatelang nicht mehr fort; manchmal verstärkt er sich sogar noch.

Die Lösung geschah in meinem Fall durch die Begegnung mit einem guten Trainer, der die von mehreren anderen Trainern einhellig vertretenen Schwung-, Schlag- und Haltungsprinzipien radikal aushebelte. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er mir riet, mich um mindestens eine Handbreit weiter vom Ball wegzustellen: Mir brach der Schweiß (man könnte glatt sagen: der Angstschweiß) aus und ich hielt den Mann für verrückt, denn aus der Entfernung könne ja niemand mehr den Ball treffen, geschweige denn weit schlagen. Innerhalb weniger Minuten spielte sich dann eine regelrechte innere Kettenreaktion ab. Ich verstand plötzlich den Unterschied, verstand auch zum ersten Mal das Schwung- und Schlagprinzip, verstand den Grund meiner Schmerzen, den Grund meiner Verspannungen, es liefen Schauer durch meinen Körper, die blockierte Energie begann sich zu lösen, und seltsamerweise wandelte sich genau jene Störung, die ich jahrelang als Schmerz und Hitze gespürt hatte, in Kraft und heilende Energie um. So etwas geschieht aber nur bei der Sportart selbst — nämlich beim tieferen Erkennen ihres natürlichen inneren Zusammenhangs. Die Lösung ist das richtige Golf, und gleichzeitig das eigene Entdecken eines neuen Verständnisses, was richtiges Golf ist. Das ist dann bewegungsrichtiges, körperrichtiges Golf, und es hatte in meinem Fall überhaupt nichts mit den ganzen Hinweisen und Ratschlägen und Merkregeln der früheren Trainer zu tun.

Aus alledem folgt: Es geht in erster Linie darum, den richtigen Pro zu finden. Was natürlich nicht einfach ist — und oft sogar fast unmöglich. Nach Jahren von genauerer Beobachtung verschiedenster Pros und ihrer Lehrmethoden bin ich zu dem Schluß gekommen, daß man solch einen Mann bestenfalls unter 20, 30 oder 50 Lehrern findet. Die meisten sind leider bloß armselige Stümper und/oder Schwätzer. Sie haben sich einfach irgendwelche Kniffe und Maximen zu eigen gemacht, und die wenden sie dann schablonenartig auf jeden Schüler an. Natürlich immer begleitet durch gehörige Selbstsicherheit und Abwesenheit jeglicher Selbstzweifel. Die könnten ja das eigene Charisma beschädigen und potentielle Schüler abschrecken. Also Fassaden-Marketing par excellence!

Da ich außer diesem einen Mann, den ich vor Jahren zufällig auf einem Platz in den Dolomiten traf, keinen glaubwürdigen Lehrer (man sollte besser sagen: Meister) mehr gefunden habe, muß ich es alleine probieren. Denn es ist mir unmöglich, einen derjenigen Stümper als Ratgeber zu akzeptieren, die ich tagein tagaus auf Platzen herumbasteln und Leute traktieren sehe. Noch einmal: Es geht primär nicht um den Pro, sondern es geht ums eigene Verstehen des Spiels und um das praktische, aber eben auch theoretische Verinnerlichen dieses Verstehens. Was man da gewonnen hat, das kann einem keiner mehr nehmen.

Der Schwung, der Schlag, die Haltung — das muß einfach stimmen und in sich harmonisch zusammenpassen. Sobald das der Fall ist, spürt man es nicht nur am eigenen Leib, sondern vor allem am Energiefluß . Stimmt dieser Energiefluß und ist er frei, unblockiert, leicht, gelöst, unverkrampft, dann spürt man es sofort, und dann kann es keine Schmerzen mehr geben, und selbst wenn man bislang noch Schmerzen hatte, beginnen sie sich im selben Moment aufzulösen. Das mag banal oder zu abstrakt und pauschal klingen, aber es ist genau so. Man könnte im Extrem sogar behaupten: Wenn man selbst dazu kommt, diese Art von Bewegung zu entdecken, hat sich jeder Ratschlag von außen erübrigt. Die Wahrheit des Golf ist, wie Stephen Pressfield in seinem Buch so schön beschrieb, im Spieler selbst und wartet darauf, freigesetzt zu werden.

Vermutlich überflüssig, hier anzumerken, daß Deutsche damit natürlich am wenigsten anfangen können, weil sie alles mit Plan, Gewalt, Selbstzwang und Problemhaftigkeit angehen und zu diesem energetischen Sich-Loslassen, das ich meine, von vornherein weder bereit noch imstande sind. Daß man mit weniger Kraftaufwand, mehr Leichtigkeit und Lockerheit mehr erreichen kann als durch das ganze Sich-Abmühen und Anstrengen — und das gilt gerade fürs Golfspiel! —, widerspricht ihrer ganzen Lebenseinstellung und wird deshalb von vornherein ausgeschlossen. So werden dann eben die Ärzte aufgesucht und so exerzieren die üblichen Pros ihre üblichen Auffassungen, und sie alle verdienen auch noch recht gut daran. Und den Kunden kommt es auch noch entgegen, denn dann müssen sie sich nicht der Herausforderung und Mühe stellen, dem Spiel und sich selbst tiefer auf den Grund zu gehen.

Eine Antwort schreiben