Ich zweifelte zunächst, ob es gut sei, überhaupt zum Platz zu fahren, da meine Gesundheit seit einigen Tagen etwas angeschlagen ist (leichte Erkältung, Hals ist etwas dick, insgesamt Schwächegefühl und Ruhebedürfnis). Dann hatte ich heute noch einigen Ärger bei der Arbeit; ausgerechnet in den letzten Minuten vor Feierabend und Wochenende kamen noch Beschwerden und Hiobsbotschaften. Die Alternative zum Golfspielen wäre gewesen, mich am Nachmittag meinem körperlichen Unbehagen zu widmen oder mich trotz krankheitsbedingter Konzentrationsschwächen weiter mit den Programmierproblemen herumzuschlagen. Meine Erfahrung ist aber, daß bei so etwas nichts Gutes herauskommt; manchmal vergrößere ich die Probleme damit bloß.
Ich fuhr also auf den Platz und entschied mich auch gleich für das Ticket für die Runde. Als ich dann mit dem Einschlagen und Üben begann, kamen mir erhebliche Zweifel, denn ich fror recht stark. Der Ostwind brachte Böen mit einer ungewöhnlichen Kälte; ich hatte kalte Hände; mein ganzer Zustand war bedenklich. Ich hatte auch keine besondere Lust zum Üben. Weder die Putts noch die Abschläge gelangen mir; hinzu kamen Rückenschmerzen. (Offenbar habe ich vorgestern doch nicht ganz sauber abgeschlagen und zu verkrampft geschwungen; das merkt man immer daran, daß man beim nächsten Mal steif ist und sich völlig ungeschickt und verwirrt vorkommt. Auf einmal hat man ein Gefühl, als wüßte man gar nicht mehr, wie man den Schläger halten und sich bewegen soll. Da ist keine Routine, kein Gedächtnis mehr, und es fehlt jeglicher Anknüpfungspunkt an bisheriges, für sicher gehaltenes Wissen.)
Es blieb mir also nur noch, auf die Runde zu gehen. Ich fragte mich, ob es diesmal auch so eine „Wunderheilung“ geben würde wie die letzten Male und sich alle Unstimmigkeiten schlagartig in Wohlgefallen auflösen würden. Im großen und ganzen (wenn man es nicht zu spektakulär betrachtet) traf das dann sogar zu, wenn auch anders als erwartet. Ich spielte zwar nicht gut, aber auch nicht schlecht. Das Ende der ersten Runde und die zweite Runde spielte ich zusammen mit einer Frau, die auf mich aufgeschlossen hatte. Dadurch ändert sich wiederum alles, denn solch ein Zusammenspiel beeinflußt jedesmal komplett die gesamte Atmosphäre eines Spiels. Auch diesmal wurde ich wieder schlagartig wacher. Ich war konzentrierter und unkonzentrierter zugleich, sehr gute Schläge und Dummheiten, die aus Ablenkung resultierten, wechselten in bunter Folge. Am zweiten Loch gelang mir wieder ein Birdie. Dann gab es noch ein „Hätte“ (sollte man vermutlich gar nicht erwähnen; diesmal aber wegen der Grundaussage doch): ein Pitch wäre aus großer Distanz fast ins Loch gegangen. Er traf die Fahne, rollte aber ein Stück weiter, weil er zu viel Schwung hatte. In diesem Fall hatte ich, nicht zuletzt aufgrund der Begleitung, ganz genau und mit vollster Absicht gezielt. Es ist immer wieder dieses hier schon oft erwähnte Spiel mit der inneren Verfassung, dieses Bemühen um Klarheit, um die Bündelung der Energie, und zugleich das Abkappen aller unguten Stimmungen, das Nicht-Zulassen von Ärger und Bedauern — also der ganze meditative Hintergrund. Und genau hier muß, das kann man nur immer wieder betonen, das Geheimnis liegen, daß einem Probleme und Sorgen gründlich ausgetrieben werden. Man ist am Ende des Spiels, selbst bei ungünstigen äußeren Bedingungen (es fing sogar an zu regnen), entspannt, warm und angefüllt mit einer wohltuenden inneren Behaglichkeit. Selbst heute, selbst in dieser zweifelhaften Verfassung. (Rundenergebnisse: 29 und 31)
2 Kommentare
28. September 2008 um 20:37
na dann wünsche ich dir mal Gute Besserung und das die Erkältung sich bald wieder verzieht. Ich habe mir auch die Rüsselpest zugezogen, weis also im Moment wie du dich fühlst.
28. September 2008 um 21:08
Danke für die guten Wünsche! Es geht schon wieder einigermaßen.