Ich gelange jetzt schon an den Punkt, wo ich nicht mehr auf den Platz fahren möchte, weil es mir inzwischen zu kalt ist. Aber ich habe noch 3 Streifen auf der Karte gehabt, und heute war, von der niedrigen Temperatur abgesehen, ein perfekt frisches und klares Wetter. Jedoch fiel mir, kaum war ich auf dem Putting Green, auf, wie niedrig die Sonne bereits stand: in absehbarer Zeit würde es dunkel werden.
Auf die Idee, diesen Tag zu nutzen, um nochmal schnell auf die Runde zu gehen, waren noch etliche andere gekommen, so daß es sich wieder mal am Abschlag staute. Also übte ich noch etwas. Leider klappte auf der Driving Range gar nichts; es verzog alle Bälle nach rechts. „Mein Schwung ist zu steil“, ging mir durch den Sinn. Ich versuchte es flacher, aber am Flug der Bälle änderte sich fast nichts. Irgendwann verlor ich die Geduld und marschierte zum Abschlag.
Zu meiner Verblüffung ging gleich der erste Schlag zu weit nach links und flog in den Acker hinterm Zaun. Auf der Runde konnte ich dann feststellen: Erstens, es klappte überhaupt nichts, zweitens, die Schläge kamen hier prinzipiell richtig, also gar nicht so fade-artig wie auf der Driving Range. Offenbar hatte ich mir bei den vielen Platzrunden der letzten Zeit einen Stil angeeignet, der nur für den Platz und das konzentrierte Zählspiel taugte – was ja im Grunde auch gar nicht schlecht ist. Denn ich schlage hier ja nicht einfach drauflos, mit weitgehend unkontrolliertem Schwung wie auf der Driving Range, sondern mit mehr Bedacht und Genauigkeit. Auch unter Druck, und das ist wichtig. Denn unter Druck spielt man immer anders, und ein Spiel, das nur beim Training klappt, aber unter Anspannung und Nervosität auseinanderfällt, hat letztlich kaum einen Wert.
Diese erste Runde war so schlecht, daß ich den Tag schon abschreiben wollte (36 Schläge; allein jeder zweite Abschlag ging ins Aus). Also einfach weiterspielen, soviel es Spaß macht. Und gleich auf die nächste Runde. Auch diesmal erwartete mich eine Überraschung: Ich hatte ganze Serien von Glücksbällen, keinen Schlag ins Aus, mehrmals Par (und war gleich mehrmals nahe an Birdies). Es wurde mir schon unheimlich. Beim letzten Loch verzichtete ich aufs Rechnen, schlug einfach drauflos, dann beim zweiten Ball wieder, und auch hier, bei diesem Par 4, rollte der Ball wieder zum Grün, als wäre dort ein Magnet verborgen. Wieder fast ein Birdie, aber dann wurde ich doch nervös und der Schlag, der eigentlich der letzte sein wollte, rollte an der Lochkante entlang wieder heraus. Trotzdem: Mit 25 Schlägen für 6 Löcher (Par 21) war das persönliche Bestleistung!
Ich war dann froh, gleich aufs Rad zu steigen und so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Es war noch nicht ganz dunkel, aber bitter kalt, nicht weit über Frost. Mal schauen, ob ich die zwei übriggebliebenen Streifen noch wegspielen kann; wenn ich sie nicht mehr hätte, wäre für mich die Saison schon vor dem heutigen Tag zuende gewesen.