9. Oktober 2007...20:32

Es wird kühler

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Inzwischen ist es draußen schon merklich kühler. Langsam beginnt die Jahreszeit, wo ich zu überlegen anfange, ob ich noch zum Platz hinausfahren will. Auf dem Fahrrad friere ich zuerst; andererseits stellt die Außentemperatur auch eine Herausforderung dar, und ich brauche nur etwas fester in die Pedale zu treten, um mich durch die Bewegung von innen her aufzuwärmen. Als ich angekommen bin und zu üben anfange, wird mir beim Schlagen schneller als erwartet warm, und bald ziehe ich den dicken Pullover aus.

Die kühle Luft hat auch noch den Vorteil, daß ich einen klareren Kopf habe und beim Üben aufmerksamer bin. Ich treffe sogar etwas genauer als beim letzten Mal. Außerdem fallen mir kleinere Unstimmigkeiten besser auf. So dachte ich heute zum ersten Mal darüber nach, daß meine Hüftdrehung schon seit einigen Monaten steifer geworden ist und dadurch der Schwungradius begrenzt wird. Ich hatte mir angewöhnt, nur noch von rechts oben zum Ball hinunterzuschlagen, statt auch noch den Körper rechts aufzudrehen — was mir ohnehin immer ein unsicheres Gefühl verursacht hatte. Aber es war eben nicht der volle Schwung gewesen. Heute experimentierte ich in dieser Richtung — einige Bälle traf ich völlig falsch, aber zwischendurch schlug ich dann wieder einige, die weiter als üblich flogen. Generell muß ich mir das mit der Hüftdrehung und vor allem der geschmeidigeren Bewegung merken.

Insgesamt ging ich die 6-Loch-Runde heute dreimal. Die erste begann mit gleich zwei ins Aus verzogenen Abschlägen. Trotzdem blieb ich ruhig und ärgerte mich nicht. Durch die Routine der letzten Zeit weiß ich, daß ich mich, ungeachtet solcher Aussetzer, inzwischen ziemlich auf meine Schläge verlassen kann. Und so spielte ich auf der ersten Runde auch gleich bei zwei Löchern Par, und das Ergebnis war am Ende recht gut. Auch auf der zweiten Runde gab es wieder zweimal Par. Auf der dritten gelang mir sogar ein Birdie, und wenn ein Ball nicht an die Fahnenstange geprallt und wieder vom Loch weggerollt wäre, wären es sogar zwei Birdies geworden. Endresultat: 90 Schläge auf 18 Löchern (bei einem Gesamt-Par von 63). Dafür, daß ich dabei insgesamt sechsmal aus geschlagen habe (Ausschläge zählen jeweils 2), sogar ein großartiges Tagesergebnis.

Dabei bin ich zur Zeit kaum ergebnisorientiert. Das Wichtigste ist immer noch die innere Gelassenheit, das Erleben der natürlichen Umgebung, das Genießen der gesamten Eindrücke von Landschaft, Platz, Vögeln und Wolken am Himmel, beginnender Abendstimmung, Duft des Grases und der anderen Pflanzen, Aufmerksamkeit beim Zielen, Schwingen, Schlagen und Treffen — dieser sich immer von neuem wiederholende Gesamtrhythmus des Spiels, der jedes Mal wie eine heilsame Seelenmassage wirkt und zu denselben ausgleichenden und wohltuenden Effekten führt.

Bei der Rückfahrt verspürte ich nicht die Mattigkeit und Müdigkeit wie noch an den wärmeren Tagen, und auch die weiter zunehmende Kälte störte mich nicht im geringsten. Im Gegenteil: Sträubt man sich nicht dagegen, so wirkt sie sehr belebend. Die Lebensgeister, die ganze Vitalität und körperliche Spannkraft — alles das wird angenehm stimuliert, und der Gefahr der Verweichlichung und des bequemlichen Abschlaffens durch Computer- und Stubenhockerei wird sinnvoll vorgebeugt. Ich schätze zunehmend die Vorzüge der mehrmaligen Wiederholung: zum Platz zu fahren, dieselben Schläge zu üben, dieselben Eindrücke — immer nur leicht abgewandelt — aufzunehmen und jedesmal von zwanghaftem Denken und überflüssigen Problemen weitestgehend loszukommen. Bei jeder dieser Erfahrung vertieft sich diese Wirkung, weil sich etwas in einem umso schneller einklinkt und innerlich loslassen kann.

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