Mitten auf dem Platz ist mir heute beim Spielen die Idee zu diesem Blog gekommen. Ich habe zwar dieses Jahr noch wenig gespielt, aber kaum bin ich wieder in Schwung gekommen, fange ich sofort Feuer. Es ist jedes Mal dasselbe mit dem Golf: Erst ab einem gewissen Einsatz beginnt das Spiel seine Tiefe zu zeigen; erst dann ergeben sich die überraschenden Aufschlüsse, mit dem das Golf das, was normalerweise unter Sport, Sportlichkeit und Freizeitbeschäftigung verstanden wird, weit transzendiert.
Ich hatte mir vorgenommen, mehr über das Wesen des Golfschwungs herauszufinden. Zur Zeit mache ich mich mit dem Buch und der Methode von Peter Croker vertraut. Dabei geht es mir hier gar nicht so sehr um dieses oder jenes Konzept — es mag da wohl mehrere geben, und bisher bin ich mit Harvey Penicks Philosophie, David Leadbetters praktischen Hilfestellungen und nun mit Crokers ungewöhnlich neuer Pädagogik in Berührung gekommen —, sondern mir wird mehr und mehr klar, daß sich im Golf die beiden Seiten Praxis und Theorie auf eine derart tiefsinnige Weise verbinden und ineinander spiegeln, wie man es vielleicht nur von klassischen Zenkünsten gewohnt ist (wenn man in unserer Hemisphäre überhaupt von „Zenkünste gewohnt sein“ sprechen kann). Mit anderen Worten: Ich habe mir vorgenommen, hinter das Geheimnis des Schwungs und damit auch des Spiel zu kommen, also nicht mehr einfach nur draufloszuspielen und zu „üben“, sondern auch den Hintergrund all dessen, was dabei abläuft, zu verstehen. Und Verstehen bedeutet: zu lernen und sich das Geschehen bis ins kleinste bewußt zu machen.
Bei allen drei erwähnten Lehrern und zunehmend bei meinen eigenen Erfahrungen wird immer deutlicher: Es handelt sich hier genau um jene Art von spiritueller Disziplin, bei der jeglicher Verstandesansatz von vornherein ad absurdum geführt wird — andererseits ist die Einstellung, man solle grundsätzlich „nicht darüber nachdenken“ und sich „nur auf sein Gefühl verlassen“, im Golf nicht nur falsch, sondern man merkt auch mehr und mehr, warum sie falsch ist.
Und das Kuriose ist: Alles, was hierzu neu verstanden wird und im Zusammenhang nachvollzogen (also auch erklärt, pädagogisch vermittelt) werden kann, betrifft immer genauso das ganze Leben wie dieses Spiel, diese nur scheinbar bedeutungslose, für viele nur zum Zeitvertreib dienende Freizeitbeschäftigung. Ich würde schlichtweg behaupten: Nein, wenn das Freizeitbeschäftigung ist, dann ist auch jede andere Tätigkeit „nur Freizeitbeschäftigung“; dann gibt es auch sonst nichts Wichtiges. Denn wichtig ist immer das, was einen zu sich selbst führt und einem hilft, die vielen Aspekte der eigenen Existenz immer gründlicher zu erforschen.